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Afrika-Cup

Montag, Februar 1st, 2010

„Pharaonen“ von Staatspräsident Mubarak empfangen

 Sieg gegen Ghana: Ägypten mit Mohamed Zidan gewinnt Afrika-Cup

Am Ziel: Stürmer Mohamed Zidan (v.) bejubelt mit Torwart Essam El Hadary den Sieg beim Afrika-Cup (Quelle: Bild.de)

Staatspräsident Hosni Mubarak hat am Montagmittag die siegreiche ägyptische Nationalmannschaft auf dem Flughafen der Hauptstadt Kairo empfangen. Die Nordafrikaner hatten am Sonntag in Luanda das Endspiel um den Afrika-Cup gegen Ghana mit 1:0 (0:0) gewonnen und sich damit zum dritten Mal in Folge den Pokal gesichert.

Mehrere tausend Fans der „Pharaonen“ hatten die Nacht im Terminal verbracht und bis zur Ankunft der Mannschaft gefeiert. Auch die Begeisterung in den ägyptischen Tageszeitungen war groß. „Die Welt wird Ägypten in Südafrika vermissen“, titelte Al-Ahrman. Das Team von Trainer Hassan Shata ist nicht für die WM-Endrunde im Sommer qualifiziert.

Focus online

01.02.2010, 13:16

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Dürstend ertrinken

Montag, Dezember 14th, 2009

Ägypten produziert zwar nur sechs Promille des global ausgestoßenen CO2, gehört aber zu jenen bevölkerungsreichen Ländern, die den Klimawandel bereits spüren. VON KARIM EL-GAWHARY

ALEXANDRIA taz | Sie wirkt schon heute aussichtslos, diese Szene weit draußen auf der gut hundert Meter ins Wasser hineinreichenden künstlichen Landzunge bei Rosetta, etwa 50 Kilometer östlich der ägyptischen Hafenstadt Alexandria. Umgeben von den blauen Wogen des Mittelmeeres schüttet ein einsamer kleiner, orangefarbener Bagger ein wenig Erdreich auf, um auf diese Weise wenigstens wieder ein bisschen Land gutzumachen.

Der meiste Teil der Küste ist hier von Deichen geschützt. Aufgehäufte Betonquader sollen das Eindringen des Meeres in das Nildelta verhindern. Obendrauf steht der ägyptische Deichingenieur Muhammad al-Zourbi und erzählt vom Schicksal Rosettas, jener Küstenstadt, in der zu Napoleons Zeiten der berühmte Rosettastein gefunden worden war, auf dem sich eine gleich lautende Inschrift in pharaonischen Hieroglyphen und in Altgriechisch befindet. Ein Durchbruch für die Ägyptologie, denn damit konnte die Hieroglyphenschrift erstmals entziffert werden.

Heute hat al-Zourbi mit ganz anderen Durchbrüchen zu kämpfen. Er deutet in die Weite des Meeres: „Hier lagen früher die Sommerresidenzen und Strandcafés der Stadt. Seit den Achtzigerjahren hat sich das Meer an dieser Stelle zwei Kilometer ins Land gefressen“, erzählt er. „Immer wenn sich die Küste verlagert hat, haben wir neue Residenzen gebaut, bis die wieder im Wasser verschwunden sind und wir erneut gebaut haben“, führt er fort und grinst verlegen. „Wie man sieht“, sagt er, „haben wir die Idee der Sommerresidenzen inzwischen aufgegeben“. Nichts deutet heute mehr auf eine Bungalowsiedlung von einst hin. Das Meer hat sie vollkommen verschluckt und glitzert friedlich in der Mittagssonne.

Derweil wäre die Stelle, an der der Nil nach einer fast 6.700 Kilometer langen Reise von der Quelle auf das Mittelmeer trifft, eigentlich ein fast mystischer Ort und prädestiniert für Touristen und einheimische Sommerfrischler. Aber wer will schon an der heutigen Küstenlinie einen Bungalow bauen, im Wissen, dass sein Eigentum in ein paar Jahren möglicherweise nur noch von den Fischen genutzt wird?

Vier Autostunden weiter südlich, in Kairo, fasst Ägyptens prominentester Umweltexperte die sich anbahnende Katastrophe zusammen: „Der Meeresspiegel steigt, daran bestehen keine Zweifel mehr. Zur selben Zeit senkt sich das Delta“, sagt Mustafa Tulba. „Bei Alexandria senkt es sich 1,5 Millimeter jährlich. Im Osten am Eingang des Suezkanals in Port Said gar 2,75 Millimeter“, rechnet der frühere Geschäftsführer des UN-Umweltprogramms vor. Gleichzeitig steige das Meer jährlich um 5 Millimeter. Zusammen mit dem Senken des Deltabodens macht das im Jahr im Schnitt 7 Millimeter Unterschied. 70 Zentimeter in einem Jahrhundert. „Wenn es bei dieser Rate bleibt, aber wahrscheinlich wird es noch schneller gehen“, meint Tulba pessimistisch.

Dabei geht es nicht um irgendeine entlegene Wüstengegend. Im Nildelta lebt jeder Dritte der 80 Millionen Ägypter. Das Gebiet, in dem die beiden Arme des Nils in Richtung Mittelmeer auseinanderlaufen, gilt auch als der Brotkorb des Landes. Auch 40 Prozent der ägyptischen Industrie hat sich im Delta in Küstennähe angesiedelt.

Muhammad Raey, Professor für Umweltphysik an der Universität von Alexandria, schätzt, dass in diesem Jahrhundert mindestens 10 bis 15 Prozent der Fläche des Nildeltas von einer Überschwemmung bedroht sind. „Wir erwarten, dass fünf bis sechs Millionen Menschen direkt davon betroffen sind. Fischer und Bauern im Norddelta , die Wohn- und Industriegebiete direkt an der Küste. Die werden evakuiert werden müssen“, prophezeit er. Pessimistischere Schätzungen gehen gar davon aus, dass 40 Prozent des Deltas überflutet werden könnten.

Besonders betroffen ist das Gebiet um Abukir, das inzwischen durch Zersiedlung zu einem Vorort Alexandrias geworden ist. Einst haben hier, in einer der größten Seeschlachten der Geschichte, die Engländer die Flotte Napoleons versenkt. Noch zeugt eine alte, von Wind und Salz zerfressene französische Festung von dieser Ära. Daneben befinden sich mehrere Blocks von Hochhäusern, gebaut in einer Zeit, als man sich noch nicht über den Meeresspiegelanstieg Gedanken machte. Inzwischen schlagen die Wellen des Meeres fast an die Haustüren.

Unmittelbar neben Abukir befindet sich eine der größten Schwachstellen der ägyptischen Küste, ein zu Zeiten des Herrschers Muhammad Ali Anfang des 19. Jahrhunderts gebauter Deich. „Ein Durchbruch hier könnte verheerende Folgen haben“, meint Umweltprofessor Raey. Ein Blick vom Meer über den Deich macht schnell deutlich, warum. Dahinter befindet sich ein Palmenhain, aber nur die Palmspitzen schauen hervor. Denn dieses Gebiet liegt unter dem Meeresspiegel. Auch wenn ein Teil des alten Deichs inzwischen mit Betonblöcken verstärkt worden ist, bleibt die Sorge der Umweltexperten, dass es hier zu einem Durchbruch kommen könnte. Dann würde das höher gelegene Alexandria zu einer von hinten umspülten Insel.

Dort, in der Behörde für Küstenschutz, sitzt deren stellvertretender Leiter, Omran Frihi, und gibt sich betont gelassen. Den Pessimismus der Umweltexperten hält er für übertrieben. „Nicht die ganze Küste des Deltas ist gefährdet. Es gibt viele sichere Stellen mit natürlichem Schutz oder die Stellen, die wir bereits künstlich abgesichert haben“, meint er und zeigt Küstenkarten, die er auf seinem Laptop gespeichert hat: Rot-schraffiert sind die durch Baumaßnahmen, Dämme und Deiche gesicherten Gebiete. Grün die natürlich geschützten oder höher gelegenen Küstenstreifen. Gut ein Viertel ist blau-schraffiert: die gefährdeten Zonen. Auf diese Stellen müsse man alle Bemühungen konzentrieren.

Doch hinter den Deichen lauert noch ein anderes Problem. „Wenn wir heute den Salzgehalt des Grundwassers im Delta messen, ist der viel höher als vor 20 oder 30 Jahren“, berichtet der Umweltexperte Tulba. Das Salzwasser des Meeres mischt sich immer mehr im Landesinneren mit dem Grundwasser. Das zusammen mit der erhöhten Temperatur verringert die Ernteerträge. „Um dem zu begegnen, müssen wir salz- und hitzeresistente Pflanzenarten einführen“, erläutert er einen möglichen Ausweg aus der Misere. Gut 40 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion des Landes wird im Nildelta angebaut. Die Überschwemmungen und eine Versalzung der Böden werden damit für Ägypten zu einer Frage der Nahrungsmittelsicherheit.

Und als ob das noch alles nicht genug wäre, was der Klimawandel in Ägypten verursacht, gibt es eine große Unbekannte, bei der es buchstäblich um das Überleben des Landes geht. „Ägypten ist ein Geschenk des Nils“, wusste schon der antike Historiker Herodot. Der Strom spendet dem Land 95 Prozent seines Wassers. Es existieren bis heute widersprüchliche Modelle, die versuchen, den Einfluss des Klimawandels auf Afrikas größten Strom vorhersagen. „Ein paar wenige Klimamodelle gehen davon aus, dass es an den Nilquellen mehr regnen wird und das Wasser um bis zu einen Drittel zunehmen wird. Aber die meisten Modelle sagen voraus, dass das Wasser des Nil durch den Klimawandel zurückgehen wird – um bis zu 70 Prozent“, erläutert Tulba.

Schon jetzt, sagt Umweltprofessor Raey, lebten die Ägypter mit 700 Kubikmeter unter der Wasserarmutsgrenze von 1.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr und pro Person. Nur noch ein Drittel des heutigen Wassers zur Verfügung zu haben, das wäre das Ende des Landes, 6.000 Jahre nachdem die alten Ägypter an den Ufern des Nils eines der ersten Staatswesen der Menschheit errichteten.

„Es gibt noch keine endgültige Gewissheit, was die Zukunft des Nilwassers angeht“, gibt Raey zu. Aber diese Ungewissheit, sagt er, das könne doch nicht bedeuten, dass man heute die Arme verschränke und einfach nur zusehe. Im Gegenteil fordert er: „Es muss uns motivieren, nach Lösungen zu suchen und mehr zu erfahren.“ Im Moment wundere es sich darüber, wie wenig Interesse und Bewusstsein es in Ägypten noch für dieses Thema gebe. Zwar hat die Regierung ein Komitee gegründet, um die Auswirkungen des Klimawandels zu studieren, bisher gebe es aber keine koordinierten Programme, die darauf ausgerichtet sind, dass Problem einzudämmen, erläutert Raey die Lage. „Wir müssen durch die öffentliche Meinung Druck auf die Regierung ausüben. Denn die schläft bisher und will sich nicht mit Problemen der Zukunft auseinandersetzen. Sie ist zu sehr mit den Problemen von heute beschäftigt“, klagt auch Tulba.

Ägypten steht vor einer Katastrophe, schlussfolgert Raey apokalyptisch, hat aber noch einen Lichtblick parat. Denn diese, sagt er, habe einen enormen Vorteil: „Anders als bei einem Erdbeben, das aus dem Nichts kommt, sind wir im Fall des Klimawandels frühzeitig gewarnt. Aber wenn wir diese Frühwarnzeit in Ägypten nicht nutzen“, mahnt er, „dann haben wir schon jetzt verloren“.